· 

Alles agil?

Nein! Bloß nicht alles agil!

Auch die überzeugtesten Agilisten wissen: "Hat man nur einen Hammer als Werkzeug, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus."

 

Möchte man z.B. ein Haus agil bauen, wird das weder schneller fertig werden, noch besser sein nach Fertigstellung. Auch hier hat das klassische Projekt-management mit ausführlicher Planungsphase vorab nach wie seine Daseinsberechtigung.

 

Andererseits wird man z.B. ein komplexes Unternehmen, das selbst mit Produkten handelt, Anderen eine Handelsplattform bietet, einen eigenen Lieferdienst hat, Streamingdienste für Musik und Video sowie eigene Hardware für mobilen Internetzugang und Sprachsteuerung entwickelt, produziert und verkauft, ohne agile Denkweisen und Methoden nicht vorab in dieser Form planen können und erst nach Fertigstellung des gesamten Angebotes eröffnen.

 

Generation X in den 80ern: "Psst, ich glaube, wir sind verwanzt."

Generation Z heute: "OK, hey, Wanze, welche Termine habe ich heute?"

 

Diese kleine Anekdote als amüsantes Beispiel, wie eng dieses agile Unternehmen inzwischen mit dem Privatleben zahlreicher Menschen verschmolzen ist. Bei Unternehmensgründung geplant war das gewiss nicht.

 

Wann also agil und wann nicht?

 

Der britische Professor Ralph Douglas Stacey hat die Grundlage geschaffen für die nach ihm benannte Stacey Matrix. Es kann eben nicht jede Herausforderung mit dem selben Werkzeug gelöst werden, sondern braucht ihr passendes Werkzeug.

Dafür müssen vorab zwei Dimensionen bewusst sein:

  • Wie klar kann die finale Lösung vorab definiert werden? Sind die Anforderungen an die Lösung bekannt? Weiß ich, WAS genau angestrebt wird?
  • Wie deutlich ist der Weg zur Lösung? Können im Vorfeld die einzelnen Arbeitsschritte dorthin exakt beschrieben werden? Weiß ich, WIE ich zur Lösung komme?

Stacey beschreibt eine Herausforderung als einfach, wenn die Anforderungen vorab bekannt sind und auch der Weg dorthin mit einem bewährten "Kochrezept". Eine Herausforderung ist kompliziert, wenn vorab die Anforderungen oder der Lösungsweg nicht wirklich klar sind. Komplex ist eine Herausforderung, wenn sich Anforderungen oder Lösungsweg im zeitlichen Verlauf ändern. Bei vollkommener Unbekanntheit von Anforderungen oder Lösungsweg herrscht Chaos.

 

In der diagonalen Achse von Einfach zu Chaotisch lassen sich Methoden und Rahmenwerke als Werkzeuge einordnen:

Einfache Herausforderungen mit offensichtlichen Ursache-Wirkungs-Beziehungen weden mit standardisierten Vorgehensweisen wie kontinuierlicher Verbesserung (KVP) oder Lean Six Sigma gelöst. Bei komplizierten Herausforderungen mit zeitlich stabilen Unbekannten bewährt sich das klassische Projektmanagement. Bei komplexen Herausforderungen mit zeitlich veränderlichen Unbekannten, wo Ursachen und Wirkungen oft erst im Nachhinein erkannt werden, werden die kurzen Regelkreise agiler Methoden und Rahmenwerke wie Kanban, Scrum oder Design Thinking benötigt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0